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»Zu Weibern und in Kneipen«
oder auch
»Liebe, Leben, Laster«

Texte und Balladen aus dem »Großen Testament«
des François Villon

»Melodien, die stilistisch nach Vorbild von Liedern des 15. Jahrhunderts gestaltet waren, denn leider sind von Villon keine Lieder überliefert. Die Texte hatten es allerdings gehörig in sich, die mit ihrer derben Ausdrucksweise wie in der ›Ballade der Verleumderzungen‹ nicht unbedingt in den Rahmen eines Gotteshauses passten.«
Wormser Zeitung 2011


François Villon ist der bedeutendste französische Dichter des Spätmittelalters, der älteste französische Autor, dessen Werke auch außerhalb seines Landes noch im Original gelesen und verstanden werden, und einer der einflussreichsten Balladendichter. Berücksichtigt man diese Superlative, ist erstaunlich, wie wenig man über ihn weiß. Geboren 1431 oder 1432 in Paris als François de Montcorbier oder François des Loges, besucht der Sohn armer Eltern die Pariser Sorbonne und wird 1452 Magister. 1455 erschlägt er im Streit einen Priester, wird verbannt, aber 1456 begnadigt, bereits unter seinem Künstlernamen: »dit de Villon«. Nach einem Einbruch muss er 1457 Paris erneut verlassen, durchstreift bis 1460 Frankreich, ist vorübergehend Hofpoet des Herzogs von Orléans, wird 1461 aus heute unbekannten Gründen vom Bischof von Orléans eingekerkert und aus dieser entbehrungsreichen und demütigenden Haft nach einem halben Jahr durch eine Amnestie Louis’ XI. befreit.

1461/62 schreibt er in Paris das »Große Testament«, eine einzigartige Sammlung aus Balladen, Spottgedichten, Legaten und Rondeaus, 186 acht-zeilige Strophen mit 19 eingefügten Gedichten, ein Werk höchst komplexer Struktur, das in Deutschland vor allem durch die Rezitationen von Klaus Kinski (CD1, CD2) und Ernst Stankowski (CD) bekannt wurde (obwohl einiges, was Kinski in der angeblichen Übersetzung von Paul Zech berühmt machte, etwa die Gedichte vom »Erdbeermund« und »Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt«, nicht von Villon, sondern von Zech selbst war).

Selten nimmt Villon ein Blatt vor den Mund. 1463 wird er nach der Beteiligung an einem Aufruhr zum zweiten Male zum Tode verurteilt, begnadigt und für 10 Jahre aus der Stadt und Freigrafschaft Paris verbannt. Seither fehlt von dem Dichter jede Spur; sein Ende liegt im Dunkel.

Friedhelm Schneidewind hat Texte und Balladen aus dem »Großen Testament« einfühlsam und inhaltlich möglichst genau nachgedichtet und neu vertont im Stil der damaligen Zeit (siehe Pressebericht). Denn da die Menschen in Villons Zeit diese Lieder in der Regel verstanden, sollte auch unser Publikum heute die Texte verstehen; in dieser Hinsicht ist der Auffassung des Minnesang-Spezialisten Dr. Lothar Jahn beizupflichten:

»... Nachdichtung mittelalterlicher Texte, d. h. einer Übertragung des Inhalts ins moderne Deutsch bei Beibehaltung von Versmaß, Reim und Strophenbau. Dies ist eine ganz schwierige Angelegenheit: Der ›Übersetzer‹ muss selbst ein Dichter sein, sonst wirkt das ganze ungewollt komisch. Selbst auf der Höhe aller stilistischen Mittel und sprachlichen Feinheiten entsteht eine Interpretation des eigentlichen Werkes, kein Abbild. Trotzdem – und das ist das Paradoxe – ist der Vortrag in einer gelungenen Nachdichtung ja ›authentischer‹ als ein Vortrag in Originalsprache, die uns oft mehr durch ihren fremdartigen ›Sound‹ bezaubert als durch den Inhalt: Schließlich haben die damaligen Zuhörer auch ihre Alltagssprache gehört, so konnte die Aussage direkt in Herz und Hirn gehen und Text-Musik-Bezüge sich spontan entfalten.«
(Dr. Lothar Jahn in einer Buchkritik zu »Wie eine Feder leicht. Oswald von Wolkenstein – Lieder und Nachdichtungen« von Hans Moser, Innsbruck 2012)

 

Das Repertoire reicht vom Sologesang bis zum mehrstimmigen Choral:

Das Programm ist zu buchen entweder komplett (ca. 2 Stunden) oder in Kurzfassungen (½, 1, 1½ Stunden), für die Bühne oder im Freien. 
ANMERKUNG: Änderungen im Programmablauf, Ergänzungen und Kürzungen sind vorbehalten.

Letzte Aufführung: 24. Juli 2011, Worms-Pfeddersheim, während des Abschlusskonzerts des Festivals »wunderhoeren – Tage alter Musik und Literatur« im Rahmen der Veranstaltungsreihe »500 Jahre Riesling-Urkunde«.

Pressebericht: Wormser-Zeitung, 26.07.2011
»Eine gänzlich andere Richtung schlug Friedhelm Schneidewind ein, der Balladen des Pariser Poeten François Villon zu Gehör brachte. Sich selbst sparsam mit Flöte oder Drehleier begleitend, sang er sie zu Melodien, die stilistisch nach Vorbild von Liedern des 15. Jahrhunderts gestaltet waren, denn leider sind von Villon keine Lieder überliefert. Die Texte hatten es allerdings gehörig in sich, die mit ihrer derben Ausdrucksweise wie in der ›Ballade der Verleumderzungen‹ nicht unbedingt in den Rahmen eines Gotteshauses passten.«
(Bilder von dem Auftritt)


1)

Enthalten im Notenheft »Liebe und Tod«
mit editorischen und inszenatorischen Hinweisen sowie Akkordangaben
Saarbrücken 1998, ISBN 978-3-932683-05-3, 44 Seiten, 11 EUR

direkt beim Verlag bestellen (unser Shop)

2)

Enthalten im Notenheft »Tandaradey, Lieder und Balladen«
mit editorischen und inszenatorischen Hinweisen sowie Akkordangaben
illustriert von Ulrike Schneidewind
Saarbrücken 1997, ISBN 978-3-932683-00-8, 16 Seiten, 7 EUR

direkt beim Verlag bestellen (unser Shop)

3) Zu sehen und zu hören ganz oder in Auszügen auf dem Video »Conventus Tandaradey«
Musik und Tanz aus Mittelalter, Renaissance und frühem Barock, von der dunklen Seite des Lebens, von Liebe und Tod
Saarbrücken 2000, ISBN 978-3-932683-95-4, 175 Minuten (leider nicht mehr lieferbar)
4)

Tonaufnahme mit Conventus Tandaradey (Hinweisseite, noch ohne Datei-Download)

5)

Videoaufnahme mit Conventus Tandaradey (Hinweisseite, noch ohne Datei-Download)

Die Liederhefte sind erhältlich im Buchhandel oder direkt bei

VERBVersum Kultur und Medien GmbH

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