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Das Mittelalter – sofern man davon überhaupt redet; es handelt sich immerhin um einen Zeitraum von bis zu 1000 Jahren, je nach Definition – war eine Zeit sehr unterschiedlicher Kulturen und Bräuche. Immer wieder gab es Zeiten des Umbruchs und starke Einflüsse aus fernen Landen und anderen Religionen. Nicht nur die Ziffer »0« stammt aus dem Orient, auch zahlreiche Instrumente. Und es gab damals – wie heute – die Zerstörung etablierter Weltbilder, die Fragwürdigkeit der verschiedenen Religionen und Weltanschauungen ... (Friedhelm Schneidewind)

»Schon der Begriff ›Mittelalters‹ hat etwas Abschätziges an sich. Er bezeichnet die Zeit zwischen zwei Epochen, der Antike und der Moderne, als handele es sich um das notwendige Übel eines Übergangs und nicht um ein eigenständiges Zeitalter. [...] Die Polemik des Begriffes liegt aber mehr noch als in der verunglimpfenden Einordnung als Zwischenzeit in der überheblichen Sichtweise auf die Epoche. Bis heute ist das Mittelalter eine Art negativer Bezugspunkt, um sich der eigenen Fortschrittlichkeit zu versichern. [...] ... natürlich handelt es sich aus heutiger Perspektive um eine ausgesprochen rückständige Zeit. Gleichzeitig aber vergessen wir, dass die Grundlagen unserer Gegenwart nicht zuletzt im Mittelalter liegen und jenes Jahrtausend eine höchst lebendige Zeit mit vielen Facetten und Entwicklungen gewesen ist. Immerhin wurde in dieser Epoche Europa urbar gemacht und der Pflug erfunden; die ersten Universitäten wurden eingerichtet, und es entstand ein dauerhaftes staatliches Gebilde wie Frankreich. Schließlich verdanken wir dem Mittelalter unseren Kalender und die arabischen Zahlen, großartige Kathedralen und blühende Städte. Auch die Freiheitsrechte der Magna Charta Libertatum verdankt England dem Mittelalter. Und viele Ansichten über das Mittelalter sind schlichtweg unzutreffend: Weder wurden die Menschen nicht viel älter als dreißig Jahre, sondern durchaus auch achtzig – da trügt die Statistik, weil die Kindersterblichkeit dramatisch hoch war. Auch war die Grundherrschaft kein rein mittelalterliches Phänomen. Und die Hexenverfolgung entfaltete ihre Schrecken erst in der Neuzeit. Ebenso falsch ist die weitverbreitete Ansicht, der Mensch des Mittelalters habe stumpf in der Masse vegetiert und sich nicht als Individuum gesehen, denn die Grundlagen der individuellen Selbstwahrnehmung, auf die wir heute so viel Wert legen, liegen eben gerade im Mittelalter. Und selbst der Begriff der Freiheit ist keine Errungenschaft der Neuzeit. [...] Jedes Zeitalter hat Licht und Schatten, Verdienste und Ver-säumnisse. Und so hat auch das Mittelalter bei allem Schatten viel Lichtes und Heiteres zu bieten, das aus dem Obskuren heraustritt, wenn die dunkel gefärbte Brille der Moderne einmal beiseitegelegt wird. Als ausnahmslos finsteres Zeitalter und Inbegriff von lächerlichen, hoffnungslos rückständigen Zuständen verunglimpft zu werden, das hat die Epoche zwischen 500 und 1500 n. Chr. schlichtweg nicht verdient.«
(Bernd Ingmar Gutberlet: Die 50 größten Lügen und Legenden der Weltgeschichte, Bergisch Gladbach 2007, S. 60-64)

»Es soll von Anfang an niemals nur der Hauch des Gefühls aufkommen, als wäre die mittelalterliche Musik ›einfacher‹ oder ›primitiver‹ als die Musik späterer Epochen. ... merken, was für ein Reichtum an Kultur, Schönheit, Komplexität und Subtilität in der Musik des Mittelalters zu finden ist.«
(Marc Lewon in: Karfunkel 95, August 2011, S. 125)

»Es ist überhaupt schon unnatürlich, daß man Musik von toten Komponisten spielt. [...] Aber ab dem Moment, da man den Wunsch hat, vergangene Musik zu spielen, hat man auch die Verpflichtung, diese Vergangenheit möglichst werkgetreu darzustellen.«
(Frans Brüggen in: CONCERTO 99, Dez./Jan. 1994/95, S. 29-33)

Das Mittelalter: Einteilung und wichtigste Ereignisse

Lebensgefühl und Atmosphäre des Spät-Mittelalters: Die Zeit des Oswald von Wolkenstein

Kleidung im Mittelalter · Musik im Spätmittelalter · Das Problem der Authentizität

Notenbeispiel: »Unter der Linde« · Kleines Instrumentenlexikon

Literaturverzeichnis zu Mittelalter, Mythen, Fantasy ...

Oswald von Wolkenstein Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft